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<title>Männlichkeit</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Männlichkeit</span></h1>
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</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Männlichkeit</b> beschreibt die Summe der Eigenschaften, die für den <a href="Mann" title="Mann">Mann</a> als charakteristisch gelten. In der Wissenschaft beschäftigen sich vor allem die <a href="Evolutionspsychologie" class="mw-redirect" title="Evolutionspsychologie">Evolutionspsychologie</a> und die <a href="Gender_Studies" title="Gender Studies">Gender Studies</a> mit Männlichkeit. Bei den Gender Studies wird Männlichkeit als <a href="Sozialkonstruktivismus" title="Sozialkonstruktivismus">Konstrukt</a> gesehen, das sich historisch wandelt und kulturell variiert. In der <a href="Biologie" title="Biologie">Biologie</a> wird Männlichkeit auch auf den Einfluss von <a href="Hormon" title="Hormon">Hormonen</a>, insbesondere <a href="Testosteron" title="Testosteron">Testosteron</a>, zurückgeführt.
</p><p>Was jeweils unter „Männlichkeit“ verstanden wird, hängt stark vom <a href="Kontext_(Sprachwissenschaft)" title="Kontext (Sprachwissenschaft)">Kontext</a> und der <a href="Meinung" title="Meinung">Perspektive</a> derjenigen ab, die den Begriff gebrauchen. Die althergebrachte <a href="Umgangssprache" title="Umgangssprache">umgangssprachliche</a> Bedeutung des Begriffs geht zumeist in Richtung <b>Virilität</b> (<a href="Latein" title="Latein">lateinisch</a> <i>virilis</i> „männlich“) im Sinne von männlicher Stärke, männlich-<a href="Erotik" title="Erotik">erotischer</a> Ausstrahlung, oder auch <a href="Zeugungsf%C3%A4higkeit" title="Zeugungsfähigkeit">Zeugungsfähigkeit</a> („Manneskraft“). Der verwandte und kaum noch gebrauchte Begriff <b>Mannbarkeit</b> aus der gehobenen Umgangssprache bezeichnet die <a href="Geschlechtsreife" title="Geschlechtsreife">Geschlechtsreife</a> eines jungen Mannes, während <b>Mannhaftigkeit</b> synonym für <a href="Tapferkeit" title="Tapferkeit">Tapferkeit</a> verwendet wurde. Im entsprechenden Kontext werden oft bestimmte Eigenschaften des männlichen Körpers als Sinnbild von Männlichkeit interpretiert. So gelten körperliche Größe, eine ausgeprägte <a href="Muskulatur" title="Muskulatur">Muskulatur</a>, eine tiefe <a href="Menschliche_Stimme" title="Menschliche Stimme">Stimme</a>, breite <a href="Schulter" title="Schulter">Schultern</a>, markante Gesichtszüge (insbesondere das <a href="Kinn" title="Kinn">Kinn</a>) und eine starke <a href="K%C3%B6rperbehaarung" title="Körperbehaarung">Körperbehaarung</a> (insbesondere der <a href="Brustbehaarung" title="Brustbehaarung">Brust</a>) als typisch männliche Merkmale.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Forschung">Forschung</h2></div>
<p>Männlichkeit war lange kein Gegenstand der Forschung. Mit dem Beginn der <a href="Frauenforschung" title="Frauenforschung">Frauenforschung</a> erschien es zunächst, als ob nur <a href="Frau" title="Frau">Frauen</a> bzw. <a href="Weiblichkeit" title="Weiblichkeit">Weiblichkeit</a> mithilfe der Forschungskategorie <a href="Geschlechtshabitus" title="Geschlechtshabitus">Geschlecht</a> bzw. <a href="Gender" title="Gender">Gender</a> untersuchbar seien (<a href="Gender_Studies" title="Gender Studies">Geschlechterforschung</a>) und nur sie Geschlecht bzw. Gender hätten.<sup id="cite_ref-:1_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-:1-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der amerikanische Männer- und Männlichkeitsforscher <a href="Michael_Kimmel_(Soziologe)" title="Michael Kimmel (Soziologe)">Michael Kimmel</a> vertritt die These, dass die traditionelle Unsichtbarkeit von Männlichkeit lange eine bewusste oder unbewusste Strategie der <a href="Macht" title="Macht">Machtsicherung</a> dargestellt habe: „Indem implizit oder explizit abgelehnt wurde, dass die Kategorie Gender überhaupt auch für Männer gilt, konnten diese sowohl einem prüfenden Blick als auch <a href="Kritik" title="Kritik">Kritik</a> und Veränderung entgehen“. Laut Kimmel wissen die Männer meist nicht einmal, welche Fragen sie zu stellen hätten, um Männlichkeit jenseits der Körper, Ideale und <a href="Stereotyp" title="Stereotyp">Stereotype</a> sichtbar und wissenschaftlich erforschbar zu machen.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Mittlerweile hat sich Männlichkeit in immer mehr <a href="Einzelwissenschaft" title="Einzelwissenschaft">Wissenschaftsdisziplinen</a> zum Forschungsthema entwickelt – seit den 1980er Jahren in den <a href="Vereinigte_Staaten" title="Vereinigte Staaten">USA</a>, seit den 1990er Jahren in <a href="Deutschland" title="Deutschland">Deutschland</a>. Die Forschungsgebiete sind jedoch oft singulär und nicht multidisziplinär miteinander verbunden. Eine Ausnahme stellen die USA dar, in der sich die <a href="M%C3%A4nnerforschung" class="mw-redirect" title="Männerforschung">Männlichkeitsforschung</a> seit den 1980er Jahren in einer multidisziplinären Phase befindet. Die <a href="Literaturwissenschaftler" class="mw-redirect" title="Literaturwissenschaftler">Literaturwissenschaftler</a> Stefan Horlacher et al. meinen dazu in einem <a href="Handbuch" title="Handbuch">Handbuch</a> zum Thema Männlichkeit, das Verständnis in vielen Wissenschaftsdisziplinen basiere bis heute noch auf „vermeintlich eindeutigen Definitionen von Männlichkeit und Weiblichkeit, die häufig noch immer voreilig auf augenscheinlich <a href="Biologie" title="Biologie">biologische</a> oder gar <a href="Genetik" title="Genetik">genetisch</a> determinierte Fakten reduziert werden“.<sup id="cite_ref-:1_1-1" class="reference"><a href="#cite_note-:1-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Soziologie">Soziologie</h3></div>
<p>Innerhalb der <a href="Bin%C3%A4re_Geschlechterordnung" title="Binäre Geschlechterordnung">binären Geschlechterordnung</a> steht Männlichkeit dem Begriffspol <a href="Weiblichkeit" title="Weiblichkeit">Weiblichkeit</a> gegenüber und ist wie diese ein kulturell-ideologisch verdichtetes Verständnis (im Gegensatz zum „Mannsein“, welches die tatsächlich gelebte Vielfalt repräsentiert). Die über Männlichkeit den Männern zugeschriebenen Eigenschaften unterliegen unter anderem dem kulturellen und <a href="Sozialer_Wandel" title="Sozialer Wandel">sozialen Wandel</a> (vgl. <a href="Weib" title="Weib">Weib</a> und <a href="Frau" title="Frau">Frau</a>); sie werden mit den <a href="Biologie" title="Biologie">biologisch</a> männlichen Merkmalen als verbunden angesehen (vgl. <a href="M%C3%A4nnchen" title="Männchen">Männchen</a>). Inwieweit diese Zuschreibungen für <a href="Sozialisation" title="Sozialisation">sozialisiert</a> oder <a href="Angeboren" title="Angeboren">angeboren</a> (oder sogar „natürlich“ bzw. „göttlich gewollt“) erachtet werden, unterliegt ebenfalls dem sozialen Wandel. Unterschiedliche Religionen, Weltanschauungen und wissenschaftliche Positionen bieten dazu verschiedenste <a href="Modell" title="Modell">Modelle</a> als Antworten an. Im wissenschaftlichen Bereich beschäftigen sich vor allem die <a href="Gender_Studies" title="Gender Studies">Gender Studies</a> und die <a href="Evolutionspsychologie" class="mw-redirect" title="Evolutionspsychologie">Evolutionspsychologie</a> mit diesen Fragen.
</p><p>„Männliches“ <a href="Soziales_Handeln" title="Soziales Handeln">Handeln</a> und <a href="Sozialverhalten" title="Sozialverhalten">Verhalten</a> wird eingehender – auch im <a href="Kulturvergleichende_Sozialforschung" title="Kulturvergleichende Sozialforschung">Kulturvergleich</a> – in der <a href="Soziale_Rolle" title="Soziale Rolle">soziologischen Rollentheorie</a> behandelt. Bei der Erforschung der Beweggründe hinter der <a href="Klimawandelleugnung" title="Klimawandelleugnung">Klimawandelleugnung</a> beschreibt die „<a href="Petromaskulinit%C3%A4t" title="Petromaskulinität">Petromaskulinität</a>“ ein möglicher Zusammenhang zwischen Männlichkeit und dem Festhalten an <a href="Fossile_Energie" title="Fossile Energie">fossilen Energien</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Hegemoniale_Männlichkeit"><span id="Hegemoniale_M.C3.A4nnlichkeit"></span>Hegemoniale Männlichkeit</h4></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Hegemoniale_M%C3%A4nnlichkeit" title="Hegemoniale Männlichkeit">Hegemoniale Männlichkeit</a></i></div>
<p>Die aktuelle Geschlechterforschung spricht seit den Publikationen der australischen <a href="Soziologe" title="Soziologe">Soziologin</a> <a href="Raewyn_Connell" title="Raewyn Connell">Raewyn Connell</a> von Männlichkeit auch in der Mehrzahl, d.&nbsp;h. von „<a href="M%C3%A4nnerforschung" class="mw-redirect" title="Männerforschung">Männlichkeiten</a>“. Connell beschreibt Männlichkeit als „eine Position im Geschlechterverhältnis; die Praktiken, durch die Männer und Frauen diese Position einnehmen, und die Auswirkungen dieser Praktiken auf die körperliche Erfahrung, auf Persönlichkeit und Kultur.“<sup id="cite_ref-:6_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-:6-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sie erarbeitete in historischen und kulturellen Analysen, dass es nicht nur eine, sondern viele Ausprägungen von Männlichkeit gebe, die auch in ein und derselben Kultur gleichzeitig existieren könnten. Jene, die in einer Kultur als vorherrschend akzeptiert wird, wird von ihr, in Anlehnung an <a href="Antonio_Gramsci" title="Antonio Gramsci">Antonio Gramsci</a>, <i>Hegemoniale Männlichkeit</i> genannt. Davon abweichende Männlichkeiten nennt Connell „marginalisierte Männlichkeiten“. Im deutschsprachigen Raum wurde das Konzept von <a href="Michael_Meuser" title="Michael Meuser">Michael Meuser</a> mithilfe des Konzepts des <a href="Habitus_(Soziologie)" title="Habitus (Soziologie)">Habitus</a> nach <a href="Pierre_Bourdieu" title="Pierre Bourdieu">Pierre Bourdieu</a> erweitert. Nach Meuser ist der „männliche Habitus“, also „das Gefüge männlicher Einstellungen, Haltungen und Praktiken - auch in der (Spät-)Moderne zutiefst von ‚vormodernen‘ Strukturen geprägt: von der Asymmetrie der Geschlechter in Arbeitswelt und Privatheit, von der Aufrechterhaltung einer hegemonialen Vormachtposition der Männer sowie der (Rück-)Vergewisserung männlicher Identität in einer durch männliche Dominanz charakterisierten Tradition.“<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Archäologie"><span id="Arch.C3.A4ologie"></span>Archäologie</h3></div>
<p>In der <a href="Arch%C3%A4ologie" title="Archäologie">Archäologie</a> wird männliches Verhalten in beispielsweise der <a href="Steinzeit" title="Steinzeit">Steinzeit</a> untersucht. Diese Untersuchungen erlangen auch dadurch eine Relevanz, dass geschlechtsspezifische Rollenverteilungen der Steinzeit mitunter als Erklärung für heute existierende Geschlechterunterschiede herangezogen werden. In früheren Untersuchungen wurden Männer als stärker, aggressiver, dominanter und aktiver dargestellt. Männer wurden hauptsächlich als für die <a href="Jagd" title="Jagd">Jagd</a> großer Tiere und das Bearbeiten härterer Materialien zuständig gesehen. Linda R. Owen hält diese Darstellungen jedoch für zu einseitig und als Symptom einer Projektion moderner Annahmen über Geschlechterrollen auf die Vergangenheit. Durch die schlechte Datenlage, die Verallgemeinerung zeitgenössischer, teilweise verzerrter <a href="Ethnographie" title="Ethnographie">ethnographischer</a> Untersuchungen zu <a href="J%C3%A4ger_und_Sammler" title="Jäger und Sammler">Jägern und Sammlern</a> und <a href="Eurozentrismus" title="Eurozentrismus">eurozentrische</a> Vorstellungen über Geschlecht bei der <a href="Arch%C3%A4ologie#Interpretation" title="Archäologie">Interpretation archäologischer Funde</a> sei ein verzerrtes Bild über Geschlechterrollen entstanden. Neuere Forschungen anhand von Primärquellen zeigen ein differenziertes Bild männlichen Verhaltens in der Steinzeit und betonen die Rolle der Männer für die Kindererziehung, das Sammeln von Pflanzen und bei der Kleintierjagd. Gleichzeitig weist Owen (2016) auf die noch große Unsicherheit in den Daten hin, wodurch keine abschließenden Urteile über das männliche Verhalten in der Steinzeit gezogen werden könnten.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <i>(siehe auch: <a href="J%C3%A4ger_und_Sammler#Arbeitsteilung" title="Jäger und Sammler">Jäger und Sammler #Arbeitsteilung</a>)</i>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Politikwissenschaft">Politikwissenschaft</h3></div>
<p>Seit 1991 gibt es in der <a href="Deutsche_Vereinigung_f%C3%BCr_Politikwissenschaft" title="Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft">DVPW</a> einen Arbeitskreis <i>Politik und Geschlecht.</i> Im Jahr 2000 stellte <a href="Peter_D%C3%B6ge" title="Peter Döge">Peter Döge</a> allerdings fest, dass eine systematische Betrachtung von Männlichkeit und Geschlecht insbesondere in der deutschen Politikwissenschaft ausgeblieben sei.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Innerhalb der Disziplin und aus einer feministischen Perspektive wird einerseits kritisiert, dass Teildisziplinen wie die <a href="Internationale_Beziehungen" title="Internationale Beziehungen">Internationalen Beziehungen</a> oder die <a href="Politische_Theorie" title="Politische Theorie">Politische Theorie</a> über lange Zeit männerdominiert und männerzentriert gewesen seien,<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> aber auch die Politikwissenschaft insgesamt bezeichnet <a href="Bettina_L%C3%B6sch" title="Bettina Lösch">Bettina Lösch</a> als androzentrisch, „d.h. an Männlichkeit orientiert (Mensch wird grundsätzlich als Mann vorausgesetzt)“.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Ursache für die Nichtberücksichtigung von Gender innerhalb der Disziplin sieht <a href="Birgit_Sauer" title="Birgit Sauer">Birgit Sauer</a> in einer „männerbündischen Personalrekrutierung“ und einer „männlich-hegemonialen Themenselektion“.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Insbesondere durch die feministische Politikwissenschaft und durch die Erkenntnisse der <a href="M%C3%A4nnerforschung#Kritische_Männerforschung" class="mw-redirect" title="Männerforschung">kritischen Männerforschung</a> gerieten in den letzten Jahren allerdings auch Geschlecht und Männlichkeit in den Fokus politikwissenschaftlicher Analysen. Untersucht werden z. B. die Verwobenheit von Männlichkeiten und Konzepten wie dem Staat, Staatsbürgerschaft und Demokratie<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> oder innerhalb der Internationalen Beziehungen Zusammenhänge zwischen Männlichkeiten und Gewalt.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In diesem Kontext wird einerseits betont, dass Gewalt hauptsächlich von Männern ausgehe, andererseits aber auch darauf verwiesen, dass Gewalt durchaus auch von Frauen ausgehen kann und dass „Männer“ und „Frauen“ je nach Kontext unterschiedlich verstanden werden müssen.<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Rechtsextremismusforschung">Rechtsextremismusforschung</h4></div>
<p>Der Zusammenhang von Männlichkeit und <a href="Rechtsextremismus" title="Rechtsextremismus">Rechtsextremismus</a> wird innerhalb der Disziplin kaum untersucht. Zwar sind mehr Männer als Frauen im Rechtsextremismus aktiv, Studien konzentrierten sich aber vor allem auf rechtsextreme Frauen und widerlegten eine verbreitete Annahme, Rechtsextremismus sei selbstverständlich männlich.<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Seit Beginn der 2000er-Jahre beschäftigten sich aber im deutschsprachigen Raum immer wieder einzelne Untersuchungen mit Männlichkeit im Rechtsextremismus und integrierten Ansätze der kritischen Männlichkeitsforschung.<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Kategorie Männlichkeit sehen Robert Claus et al. „als konstitutiv für rechtsextreme Phänomene, ihr ideologisches Gerüst, ihr Handeln, ihre Agitation und Mobilisierung“.<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <a href="Andreas_Peham" title="Andreas Peham">Heribert Schiedel</a> sieht den Rechtsextremismus als Versuch, „‚Männlichkeit‘ zu restitutieren und zu renaturalisieren“.<sup id="cite_ref-:5_17-0" class="reference"><a href="#cite_note-:5-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p><a href="Wolfgang_Wippermann" title="Wolfgang Wippermann">Wolfgang Wippermann</a> – teils im Anschluss an <a href="Klaus_Theweleit" title="Klaus Theweleit">Klaus Theweleit</a> – sieht im faschistischen Leitbild von Männlichkeit eine besondere historische Phase der Entwicklung des Konzepts von Männlichkeit in Deutschland: Im Kaiserreich war Männlichkeit eng mit dem Konzept der <a href="Ehre" title="Ehre">Ehre</a> verbunden; der den Oberschichten entstammende deutsche Mann – im Idealfall der Offizier – war <a href="Satisfaktion" title="Satisfaktion">satisfaktionsfähig</a>; er <a href="Duell" title="Duell">duellierte</a> sich, um seine Ehre zu beweisen; er war hierarchisch orientiert und staats- bzw. kaisertreu und hegte eine gewisse Achtung vor Frauen, auch wenn er sich auf seine sexuellen Privilegien berief. Die von Wippermann so genannte <a href="Atavismus" title="Atavismus">atavistische</a> Männlichkeit war die der <a href="Freikorps" title="Freikorps">Freikorpskämpfer</a>, die nach dem Ersten Weltkrieg weiterhin einem soldatischen Ideal folgten. Stand und Herkunft spielten für sie keine Rolle mehr; sie verachteten Frauen und waren in der Regel sexscheu. Die faschistische Männlichkeit richtete sich gegen die „unmännlichen“ Juden, Roma und Slawen. Die Rolle der Frau wurde auf die biologische Rolle als Gebärerin reduziert.<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Pädagogik"><span id="P.C3.A4dagogik"></span>Pädagogik</h3></div>
<p>Männlichkeit wird innerhalb der <a href="P%C3%A4dagogik" title="Pädagogik">Pädagogik</a> einerseits in Hinblick auf die Rolle pädagogischer Institutionen (insbesondere <a href="Schule" title="Schule">Schulen</a>) auf Männlichkeitskonstruktionen und die geschlechtliche Sozialisation, anderseits in Bezug auf die Prägung pädagogischer Institutionen durch Männlichkeitsvorstellungen behandelt. Historisch waren viele pädagogische Konzepte über lange Zeit androzentrisch geprägt, wodurch sie selbst männliche Privilegien festigten. In der jüngeren Vergangenheit kam es aber zu einer Veränderung: Obwohl männliche Privilegien nicht vollständig abgebaut sind, scheint „Männlichkeit in der Institution Schule allerdings den Status einer nicht markierten Norm zu verlieren“, auch bedingt durch das mittlerweile leicht höhere Ausbildungsniveau von Mädchen bzw. Frauen gegenüber gleichaltrigen Jungen bzw. Männern. Der damit im Zusammenhang stehende öffentliche Diskurs um „Jungen als Bildungsverlierer“ erzeugte hierbei eine Wirkung auch auf die Erziehungswissenschaft und pädagogische Praxis.<sup id="cite_ref-19" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In dem teilweise stark vereinfachend, populistisch, und essenzialistisch verkürzt geführten Mediendiskurs wird allerdings oft die lange bestehende Auseinandersetzung mit Jungen und Geschlechterrollen, insbesondere in der Jungen-<a href="Geschlechtssensible_P%C3%A4dagogik" title="Geschlechtssensible Pädagogik">geschlechtssensiblen Pädagogik</a>, vernachlässigt.<sup id="cite_ref-20" class="reference"><a href="#cite_note-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-21" class="reference"><a href="#cite_note-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Psychologie">Psychologie</h3></div>
<div class="sieheauch" role="navigation" style="font-style:italic;"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: <a href="Psychologische_Unterschiede_zwischen_M%C3%A4nnern_und_Frauen" title="Psychologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen">Psychologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen</a></div>
<p>Die Psychologie in den 1950ern und den folgenden Jahrzehnten erfasste männliches und weibliches Verhalten anhand von durch Befragung ermittelten Eigenschaftslisten. Das Ergebnis waren auf <a href="Stereotyp" title="Stereotyp">Stereotypen</a> basierte Vorstellungen von Männlichkeit wie „Aggression, Dominanz, Aktivität, Unabhängigkeit, Außenorientierung und logisch-rationalem Denken“ – im Gegensatz zu Stereotypen, die als weiblich eingeordnet wurden wie „Sensibilität, Anpassungsfähigkeit, Passivität, Sanftmut und Sicherheitsbedürfnis“. Vor dem Hintergrund der zweiten <a href="Frauenbewegung" title="Frauenbewegung">Frauenbewegung</a> konfrontierten verschiedene Autoren die amerikanische <a href="Gesellschaft_(Soziologie)" title="Gesellschaft (Soziologie)">Gesellschaft</a> und <a href="Wissenschaft" title="Wissenschaft">Wissenschaften</a> ab Ende der 1970er Jahre mit Widersprüchen zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Tatsächlich sei das Verhalten laut der Autoren geprägt gewesen von „selbstdestruktivem Verhalten, emotionaler Verarmung, Krankheitsanfälligkeit und früher Sterblichkeit“. Dies schaffte eine „neue Psychologie des Mannes“, in der männliches Verhalten nicht mehr frei von Zeit und Raum erfasst wurde, sondern als komplexe und teils widersprüchliche soziale Konstrukte.<sup id="cite_ref-:2_22-0" class="reference"><a href="#cite_note-:2-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die <a href="American_Psychological_Association" title="American Psychological Association">American Psychological Association</a> gab 2017 Handreichungen für den psychologischen Umgang mit Männern und Jungen heraus, die die wissenschaftliche Forschung zum Thema bündeln und betonen sollten, dass eine Ideologie traditioneller Männlichkeit Männern und Jungen schadete.<sup id="cite_ref-23" class="reference"><a href="#cite_note-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-24" class="reference"><a href="#cite_note-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die späte Veröffentlichung wurde damit erklärt, dass (<a href="Wei%C3%9Fsein" class="mw-redirect" title="Weißsein">weiße</a>) Männlichkeit lange Zeit die unhinterfragte Norm in der US-amerikanischen psychologischen Forschung und Praxis dargestellt hat: „prior to the second-wave feminist movement in the 1960s, all psychology was the psychology of men.“<sup id="cite_ref-:0_25-0" class="reference"><a href="#cite_note-:0-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-26" class="reference"><a href="#cite_note-26"><span class="cite-bracket">[</span>26<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das hegemoniale, traditionelle Bild von Männern als stoisch, kompetitiv, dominant und aggressiv, führe z. B. dazu, dass Männer sich seltener psychologische Hilfe suchten, und häufiger risikoreiches Verhalten wählten.<sup id="cite_ref-:0_25-1" class="reference"><a href="#cite_note-:0-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In den Richtlinien und der psychologischen Forschung wird betont, dass Männlichkeiten soziale Konstrukte seien, die auf unterschiedliche Männer unterschiedlich wirkten.<sup id="cite_ref-27" class="reference"><a href="#cite_note-27"><span class="cite-bracket">[</span>27<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Richtlinien fordern Therapeuten auf, dieser Vielfalt gerecht zu werden um eine bestmögliche Betreuung von Jungen und Männern sicherzustellen.<sup id="cite_ref-28" class="reference"><a href="#cite_note-28"><span class="cite-bracket">[</span>28<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Biologie_und_Medizin">Biologie und Medizin</h3></div>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Anatomie_und_Entwicklungsbiologie">Anatomie und Entwicklungsbiologie</h4></div>
<p>Der Begriff Männlichkeit wird in <a href="Medizin" title="Medizin">Humanmedizin</a> und <a href="Humanbiologie" title="Humanbiologie">Humanbiologie</a> bis heute primär <a href="Fortpflanzung" title="Fortpflanzung">reproduktionsbiologisch</a> verwendet. Im Vordergrund stehen primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale. Anatomische und entwicklungsbiologische Charakteristika des Mannes sind seit langem bekannt und gut untersucht. Aktuell stehen <a href="Genetik" title="Genetik">genetische</a> und <a href="Genregulation" title="Genregulation">genregulatorische</a> Aspekte der Männlichkeitsentwicklung im Vordergrund der biologischen Forschung. Geschlechtsentwicklung wird als entwicklungsbiologischer Vorgang aufgefasst, der in der embryonalen Entwicklung zur Festlegung des körperlichen Geschlechts führt.<sup id="cite_ref-:4_29-0" class="reference"><a href="#cite_note-:4-29"><span class="cite-bracket">[</span>29<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Männermedizin"><span id="M.C3.A4nnermedizin"></span>Männermedizin</h4></div>
<p>Erst seit kurzem werden gesundheitliche Konsequenzen des männlichen Geschlechts und <a href="Geschlechtshabitus" title="Geschlechtshabitus">Geschlechtshabitus</a> (<a href="Geschlechterrolle" title="Geschlechterrolle">Geschlechtsrolle</a>, <a href="Gender" title="Gender">Gender</a>) erforscht. Dies hat neben der <a href="Andrologie" title="Andrologie">Andrologie</a> zur Entwicklung einer <a href="Gendermedizin" title="Gendermedizin">Männermedizin</a> geführt, die nicht nur auf geschlechtsspezifische körperliche Erkrankungen oder <a href="Endokrinologie" title="Endokrinologie">endokrine</a> Störungen fokussiert, sondern auch auf Folgen typisch männlicher Verhaltensweisen. Da der männliche <a href="Habitus_(Soziologie)" title="Habitus (Soziologie)">Habitus</a> laufenden gesellschaftlichen Veränderungen unterliegt, muss die Männermedizin diesen Wandel untersuchen, wissenschaftlich begleiten und die therapeutische Behandlung laufend anpassen.
</p><p>Auch Fallbeobachtungen und klinische Praxis belegen, dass soziale Faktoren für die Entwicklung männlicher Verhaltensmuster entscheidend sind. Beispielsweise zeigen Jungen, die nicht in die <a href="Pubert%C3%A4t" title="Pubertät">Pubertät</a> eintreten, eine Vielzahl von Verhaltensweisen, die gesellschaftlich als „männlich“ eingestuft werden. Eine Abgrenzung von sozial erlerntem männlichen Verhalten und dem Einfluss des männlichen Hormonhaushalts ist nicht möglich. Beide Faktoren sind für die Entwicklung eines Verhaltensmusters, das gesellschaftlich als „männlich“ eingestuft wird, notwendig.
</p><p>Männermedizin gehört zur <a href="Allgemeinmedizin" title="Allgemeinmedizin">Allgemeinmedizin</a> und <a href="Innere_Medizin" title="Innere Medizin">Inneren Medizin</a>. Sie befasst sich mit der Gesamtheit männlicher Gesundheitsstörungen auch jenseits der Sexualorgane. Dagegen gehört die <a href="Andrologie" title="Andrologie">Andrologie</a> zur <a href="Urologie" title="Urologie">Urologie</a> und befasst sich mit Erkrankungen der männlichen Sexualorgane sowie deren hormoneller Regulation (<a href="Endokrinologie" title="Endokrinologie">Endokrinologie</a>). Männermedizin befasst sich etwa mit der niedrigeren Lebenserwartung von Männern im Vergleich zu Frauen. Sie erforscht auch Erkrankungen, die bei Männern häufiger auftreten, wie etwa die koronare Herzkrankheit, für die vor allem gesundheitsschädliches Verhalten von Männern, wie Tabakkonsum, verantwortlich gemacht wird. Für die allgemein niedrigere Lebenserwartung gibt es <a href="Lebenserwartung#Einfluss_des_Geschlechts_auf_die_Lebenserwartung" title="Lebenserwartung">eine Vielzahl an Einflussfaktoren</a>, die noch unklar sind.<sup id="cite_ref-:4_29-1" class="reference"><a href="#cite_note-:4-29"><span class="cite-bracket">[</span>29<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Biologie">Biologie</h4></div>
<p>In der <a href="Biologie" title="Biologie">Biologie</a> werden männliche Eigenschaften auch auf den Einfluss von <a href="Hormon" title="Hormon">Hormonen</a> zurückgeführt, insbesondere <a href="Testosteron" title="Testosteron">Testosteron</a>. Studien zeigen, dass Testosteron, dem man vor der Geburt im Mutterleib ausgesetzt ist, oft die männliche Geschlechteridentität und männliches Verhalten produziert. Auch soziologische Faktoren werden anerkannt, jedoch wird auch gerade die Interaktion zwischen biologischen und soziologischen Faktoren wissenschaftlich untersucht. Eine Studie aus dem Jahre 2000 kam einerseits zu dem Ergebnis, dass Frauen eher ein typisch „männliches“ Verhalten zeigten, je mehr Testosteron sie im Mutterleib ausgesetzt wurden. Andererseits wurde untersucht, wie stark die Erziehung der Mütter dieses Verhalten beeinflusste. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass bei Untersuchungsteilnehmern mit niedriger Menge an ausgesetztem Testosteron die Erziehung eine größere Rolle spielte, jedoch bei hohen Mengen an Testosteron die Untersuchungsteilnehmer eher unempfindlich auf die Art der Erziehung reagierten. Das Verhalten wurde stärker durch die Hormone bestimmt.<sup id="cite_ref-:3_30-0" class="reference"><a href="#cite_note-:3-30"><span class="cite-bracket">[</span>30<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In der <a href="Genetik" title="Genetik">Genetik</a> werden <a href="Gen" title="Gen">genetische</a> Faktoren auf das Ausbilden eines männlichen Verhaltens untersucht. Die <a href="Verhaltensgenetik" title="Verhaltensgenetik">Verhaltensgenetiker</a> untersuchen hierbei das Verhalten von <a href="Zwillinge" title="Zwillinge">Zwillingen</a>, Geschwistern und Familien mit <a href="Adoption" title="Adoption">adoptierten</a> Kindern. Auf diese Weise erhoffen sich die Verhaltensgenetiker, Einflüsse der Umwelt von Einflüssen der Gene trennen zu können. Bei Zwillingen ist die genetische Übereinstimmung am größten, bei Familien, die zwei Kinder von jeweils fremden Eltern adoptiert haben, wachsen hingegen zwei genetisch sehr unterschiedliche Kinder in einer ähnlichen Umgebung auf. Hierbei werden komplexe mathematische Methoden angewendet, um die Einflüsse zu bestimmen. Im Jahre 1999 wurde eine Studie von Richard Lippa und Scott Hershberger veröffentlicht, die beispielsweise herausfand, dass 38&nbsp;% der Variabilität bei der Verhaltenseigenschaft der Dominanz auf genetische Unterschiede zurückzuführen sei.<sup id="cite_ref-:3_30-1" class="reference"><a href="#cite_note-:3-30"><span class="cite-bracket">[</span>30<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In der <a href="Evolutionsbiologie" title="Evolutionsbiologie">Evolutionsbiologie</a> werden Geschlechterunterschiede durch den Prozess der <a href="Nat%C3%BCrliche_Selektion" class="mw-redirect" title="Natürliche Selektion">natürlichen</a> oder <a href="Sexuelle_Selektion" title="Sexuelle Selektion">sexuellen Selektion</a> erklärt. Insbesondere der von Männern abweichende <a href="Elternaufwand" title="Elternaufwand">Elternaufwand</a> wird zur Erklärung von spezifischen Strategien zur Partnerwahl und der damit verbundenen Verhaltensweisen herangezogen.<sup id="cite_ref-:3_30-2" class="reference"><a href="#cite_note-:3-30"><span class="cite-bracket">[</span>30<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <i>(siehe auch: <a href="Evolution%C3%A4re_Psychologie#Unterschiede_zwischen_Frauen_und_Männern" title="Evolutionäre Psychologie">Evolutionäre Psychologie #Unterschiede zwischen Frauen und Männern</a>)</i> Ob evolutionsbiologische Ansätze zur Erklärung menschlichen Verhaltens herangezogen werden können, ist jedoch umstritten.<sup id="cite_ref-31" class="reference"><a href="#cite_note-31"><span class="cite-bracket">[</span>31<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-32" class="reference"><a href="#cite_note-32"><span class="cite-bracket">[</span>32<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In der <a href="Neurobiologie" class="mw-redirect" title="Neurobiologie">Neurobiologie</a> werden die Gehirne von Frauen und Männern untersucht, um Rückschlüsse auf männliches und weibliches Verhalten zu erlangen. Zahlreiche Studien aus neuerer Zeit sahen Unterschiede in der Größe bestimmter Gehirnareale und versuchten daraus, Rückschlüsse auf männliches Verhalten zu ziehen. Über Ursache und Auswirkung dieser Unterschiede und ob diese überhaupt <a href="Validit%C3%A4t" title="Validität">valide</a> ermittelt wurden, besteht bisher Uneinigkeit.<sup id="cite_ref-:4_29-2" class="reference"><a href="#cite_note-:4-29"><span class="cite-bracket">[</span>29<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-33" class="reference"><a href="#cite_note-33"><span class="cite-bracket">[</span>33<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-34" class="reference"><a href="#cite_note-34"><span class="cite-bracket">[</span>34<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Studien, wie die von Richard A. Lippa von 2010<sup id="cite_ref-35" class="reference"><a href="#cite_note-35"><span class="cite-bracket">[</span>35<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>, konnten die weitgehende Unabhängigkeit der geschlechtertypischen Verhaltensmuster vom kulturellen Hintergrund zeigen und widerlegten damit frühere Überlegungen, wonach Verhaltensstereotypen allein aus den Einflüssen der Umwelt resultieren würden. In der Biomedizin zog Markus Schubert 2016 das Fazit, es werde „immer klarer, dass die Verhaltensunterschiede zwischen Männern und Frauen nicht allein auf deren Erziehung und Umgebung zurückzuführen sind“. Gleichwohl seien noch viele Fragen auf dem Gebiet der Neurowissenschaften bezüglich Unterscheidung der Gehirnfunktionen offen. Hormonelle und genetische Einflüsse sieht er jedoch basierend auf den neusten Untersuchungstechniken und molekularen Ansätzen als die „wesentlichen Ursachen“ für die geschlechtertypischen Eigenschaften. Diese Forschungsergebnisse könnten dazu beitragen zu erklären, warum sich Männer verhalten „wie Männer“.<sup id="cite_ref-:4_29-3" class="reference"><a href="#cite_note-:4-29"><span class="cite-bracket">[</span>29<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Männlichkeit_im_westlichen_Kulturraum"><span id="M.C3.A4nnlichkeit_im_westlichen_Kulturraum"></span>Männlichkeit im westlichen Kulturraum</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Geschichte">Geschichte</h3></div>
<p><a href="Raewyn_Connell" title="Raewyn Connell">Raewyn Connell</a> lokalisiert die Entstehung der modernen Männlichkeitsvorstellungen im „langen“ <a href="16._Jahrhundert" title="16. Jahrhundert">16. Jahrhundert</a> zwischen 1450 und 1650. Als Ursachen dafür sieht sie kulturelle Veränderungen in den Städten, die auch mit der Veränderung des Einflusses der Religion im Zuge der <a href="Reformation" title="Reformation">Reformation</a> einherging. Durch das Ende der mittelalterlichen Klöster sei die eheliche Heterosexualität als angesehenste Form der Sexualität gestärkt worden und durch den aufkommenden Individualismus sei in der Philosophie das Bild von Männlichkeit als „von Vernunft geprägte Charakterstruktur“ aufgekommen. Als zweiten wichtigen Faktor sieht sie die europäische Expansion in Amerika, in der das Bild des <a href="Konquistador" title="Konquistador">Konquistadors</a> eng mit Männlichkeit verknüpft worden sei. Zudem sei durch das Wachsen der Städte und den aufkommenden Handelskapitalismus eine bestimmte Form von Männlichkeit <a href="Institutionalisierung" class="mw-redirect" title="Institutionalisierung">institutionalisiert</a> worden, indem die Unternehmerkultur und Arbeitsplätze „neue Formen geschlechtsbezogener Arbeit und Macht schufen und legitimierten“. In Folge auf die Kriege des 16. bis 18. Jahrhunderts sei zudem im <a href="Absolutismus" title="Absolutismus">Absolutismus</a> eine „nie dagewesene Institutionalisierung männlicher Macht“ erfolgt. Seit dem 18. Jahrhundert und der dort durch den <a href="Gentry" title="Gentry">Landadel</a> definierten Form hegemonialer Männlichkeit könne man deshalb von Männlichkeit im modernen Sinne sprechen, die in einer relativ festen Geschlechterordnung und in Abgrenzung von Weiblichkeit bestimmt sei. Die Männlichkeit des <a href="Gentry" title="Gentry">Gentry</a> habe sich dann in den folgenden Jahrhunderten aufgespalten, wofür Connell insbesondere die „Infragestellung der Geschlechterordnung durch Frauen, die Logik des vergeschlechtlichten Akkumulationsprozesses im industriellen Kapitalismus und die <a href="Imperialismus" title="Imperialismus">imperialen</a> Machtstrukturen“ verantwortlich macht.<sup id="cite_ref-:6_3-1" class="reference"><a href="#cite_note-:6-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p><a href="Liv_Str%C3%B6mquist" title="Liv Strömquist">Liv Strömquist</a> präsentiert die Theorie der <a href="Soziologe" title="Soziologe">Soziologin</a> und <a href="Kulturanthropologie" title="Kulturanthropologie">Kulturanthropologin</a> <a href="Eva_Illouz" title="Eva Illouz">Eva Illouz</a>, dass eine angesehene Männlichkeit im 19. Jahrhundert darin bestünde, dass ein Mann die Fähigkeit aufbringt, Entscheidungen zu treffen, ein bindendes Versprechen zu geben, sowie die Fähigkeit, starke Gefühle zu fühlen und diese zum Ausdruck zu bringen.<sup id="cite_ref-:8_36-0" class="reference"><a href="#cite_note-:8-36"><span class="cite-bracket">[</span>36<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die angesehene Männlichkeit des 19. Jahrhunderts bestünde in emotionaler Standhaftigkeit. Mit der <a href="Moderne" title="Moderne">Moderne</a> und den <a href="Feminismus" title="Feminismus">feministischen Errungenschaften</a> habe sich die Männlichkeit in soweit verändert, dass in ihrer <a href="Sexualit%C3%A4t_des_Menschen" title="Sexualität des Menschen">Sexualität</a> emotional Distanzierte, autonome und autoritäre Männer tendenziell gesellschaftlich höher angesehen werden.<sup id="cite_ref-:8_36-1" class="reference"><a href="#cite_note-:8-36"><span class="cite-bracket">[</span>36<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Merkmale">Merkmale</h3></div>

<p>Die im westlichen Kulturkreis dem „Männlichen“ unausgesprochen oder ausgesprochen zugeschriebenen Stereotype sind:
</p>
<ul><li>eher physische Merkmale:
<ul><li>(Körper-)<a href="Kraft" title="Kraft">Kraft</a> – demgegenüber „weiblich“: (Körper-)Schwäche, Schönheit</li>
<li>markant, „eckig“ – demgegenüber „weiblich“: abgerundet, rund</li>
<li>rohe <a href="Sinnlichkeit" title="Sinnlichkeit">Sinnlichkeit</a> – demgegenüber „weiblich“: Zartheit, ganzheitliche Erotik</li></ul></li>
<li>eher charakterliche Merkmale:
<ul><li><a href="Mut" title="Mut">Mut</a>, <a href="Sensation_Seeking" title="Sensation Seeking">Risikobereitschaft und Abenteuerlust</a> – demgegenüber „weiblich“: Familiensinn, Furchtsamkeit, Zaghaftigkeit</li>
<li>Aggression im Sinne von aktivem Zupacken, Angriffslust bis hin zum Extrem: <a href="Aggressivit%C3%A4t" class="mw-redirect" title="Aggressivität">Gewaltbereitschaft</a> – demgegenüber „weiblich“: Friedfertigkeit, <a href="Geduld" title="Geduld">Geduld</a>, oder mentaler Widerstand beispielsweise in Gestalt von <a href="T%C3%A4uschung" title="Täuschung">List</a></li>
<li><a href="F%C3%BChrungskompetenz" title="Führungskompetenz">Führungsanspruch</a>, Dominanz, Verlässlichkeit – demgegenüber „weiblich“: Duldsamkeit, Fügsamkeit, Wankelmut</li>
<li><a href="Besonnenheit" title="Besonnenheit">Besonnenheit</a>, Selbstbeherrschung, auch Gefühlskälte, <a href="Cool" title="Cool">Coolness</a> – demgegenüber „weiblich“: <a href="Impulsivit%C3%A4t" title="Impulsivität">Impulsivität</a>, Warmherzigkeit</li></ul></li>
<li>eher mentale Merkmale:
<ul><li>technische und <a href="Organisation" title="Organisation">organisatorische</a> Fähigkeiten – demgegenüber „weiblich“: <a href="Soziale_Kompetenz" title="Soziale Kompetenz">soziale Kompetenzen</a></li>
<li><a href="Rationalit%C3%A4t" title="Rationalität">Rationalität</a>, auch: <a href="Abstraktion" title="Abstraktion">Abstraktes Denken</a>, <a href="Zielstrebigkeit" class="mw-redirect" title="Zielstrebigkeit">Zielstrebigkeit</a>, <a href="Eigensinn" title="Eigensinn">Eigensinn</a> – demgegenüber „weiblich“: <a href="Empathie" title="Empathie">Einfühlsamkeit</a>, <a href="Spontaneit%C3%A4t" title="Spontaneität">Spontaneität</a>, <a href="Anpassungsf%C3%A4higkeit" title="Anpassungsfähigkeit">Anpassungsfähigkeit</a>, <a href="Irrationalismus" title="Irrationalismus">Irrationalismus</a></li></ul></li></ul>
<p>Diese Zuschreibungen werden vielfach für <a href="Archetyp_(Philosophie)" title="Archetyp (Philosophie)">archetypisch</a> gehalten, während andere sie als <a href="Stereotyp" title="Stereotyp">stereotype</a> <a href="Rollenerwartung" title="Rollenerwartung">Rollenerwartungen</a> entlarven. Die Zuschreibungen sind eher naturwissenschaftlich geprägt und stehen im Gegensatz zu den Perspektiven der <a href="Gender_Studies" title="Gender Studies">Genderforschung</a>. Diese kritisiert sie auch mit einem ethischen Argument: Sie verletzten durch Beschränkung auf vorgefertigte Muster die <a href="Menschenw%C3%BCrde" title="Menschenwürde">menschliche Würde</a> sowohl von Frauen als auch von Männern.
</p><p>Solche Probleme verschärfen sich in einer Gesellschaft mit einer höheren Bewertung von Eigenschaften, die Männlichkeit zugeschrieben werden, gegenüber Eigenschaften, die Weiblichkeit zugeschrieben werden. Wenn diese <a href="Sexismus" title="Sexismus">sexistische</a> Bewertungsproblematik dazu führt, dass „Männlichkeit“ <a href="Macht#Definitionsmacht" title="Macht">zum Maßstab erhoben</a> und „Weiblichkeit“ zur Abweichung gegenüber solcher Norm wird, wird in der Genderforschung von <a href="Androzentrismus" title="Androzentrismus">androzentrischen</a> Geschlechterverhältnissen gesprochen.
</p><p><a href="Mode" title="Mode">Mode</a>, <a href="Jugendkultur" title="Jugendkultur">Jugendkulturen</a>, <a href="Werbung" title="Werbung">Werbung</a>, <a href="Film" title="Film">Filme</a> und andere Medien bieten immer wieder neue Männlichkeitsbilder und -ideale an und verstärken, variieren oder relativieren damit diese Zuschreibungen. Beispiele: die Filme <i><a href="Easy_Rider" title="Easy Rider">Easy Rider</a></i> und <i><a href="Terminator_(Film)" title="Terminator (Film)">Terminator</a></i>, der Mythos <a href="Cowboy" title="Cowboy">Cowboy</a> (Westernromane, Film, Mode), der <a href="Marlboro_Man" title="Marlboro Man">Marlboro Man</a> der Werbung – aber auch als Relativierung der <a href="Hippie" title="Hippie">Hippie</a> u.&nbsp;a.&nbsp;m.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Männlichkeit_im_kulturübergreifenden_Raum"><span id="M.C3.A4nnlichkeit_im_kultur.C3.BCbergreifenden_Raum"></span>Männlichkeit im kulturübergreifenden Raum</h2></div>


<p>Verschiedene <a href="Metastudie" class="mw-disambig" title="Metastudie">Meta-Studien</a> konnten kulturübergreifende Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Verhalten feststellen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weibliche_Männlichkeit"><span id="Weibliche_M.C3.A4nnlichkeit"></span>Weibliche Männlichkeit</h2></div>
<p>Insbesondere Ansätze, die aus den <a href="Queer_Studies" title="Queer Studies">Queer Studies</a> stammen und von einem <a href="Dekonstruktion" title="Dekonstruktion">dekonstruktivistischen</a> Verständnis von Geschlecht ausgehen, haben in neuerer Zeit neue Perspektiven auf Männlichkeit eingebracht, die Männlichkeit vom Körper losgelöst betrachten und Raum für Betrachtungen außerhalb der Geschlechterbinarität schaffen. <a href="Jack_Halberstam" title="Jack Halberstam">Jack Halberstam</a> prägte hier den Begriff „weibliche Maskulinität(en)“. In seiner Studie zum Thema betrachtete er z. B. <a href="Tomboy" title="Tomboy">Tomboys</a>, <a href="Butch_und_Femme" title="Butch und Femme">Butch-Lesben</a>, <a href="Dragking" title="Dragking">Dragkings</a> oder transgender Menschen, die klassische Vorstellungen einer binären Geschlechterordnung aber auch Konzepte wie Mutterschaft in Frage stellen.<sup id="cite_ref-:7_38-0" class="reference"><a href="#cite_note-:7-38"><span class="cite-bracket">[</span>38<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-39" class="reference"><a href="#cite_note-39"><span class="cite-bracket">[</span>39<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Eine Betrachtung weiblicher (und anderer „alternativer“) Männlichkeiten erlaube es erst, die Konstruktion von Männlichkeit nachzuvollziehen: „Masculinity [...] becomes legible as masculinity where and when it leaves the white male middle-class body.“ (<i>dt.</i> „Männlichkeit wird erst als solche verständlich, wenn sie den weißen, männlichen, Mittelschichts-Körper verlässt“).<sup id="cite_ref-40" class="reference"><a href="#cite_note-40"><span class="cite-bracket">[</span>40<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Da Männlichkeit immer noch mehr soziale Macht zukomme als Weiblichkeit, würden weibliche Männlichkeiten gesellschaftlich noch weniger wertgeschätzt als männliche Weiblichkeiten.<sup id="cite_ref-:7_38-1" class="reference"><a href="#cite_note-:7-38"><span class="cite-bracket">[</span>38<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="„Krise_der_Männlichkeit“"><span id=".E2.80.9EKrise_der_M.C3.A4nnlichkeit.E2.80.9C"></span>„Krise der Männlichkeit“</h2></div>
<p>Eine „Krise der Männlichkeit“ steht in neuerer Zeit verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit (ähnliche Krisendiskurse lassen sich aber auch historisch, etwa im viktorianischen England finden) und dient dort einerseits dazu, auf gesellschaftliche Notlagen von Männern und Männlichkeit hinzuweisen, wird andererseits aber auch als „eine rhetorische Waffe gegen die angebliche Dominanz feministischer Definitionsmacht des Geschlechterverhältnisses“ eingesetzt.<sup id="cite_ref-41" class="reference"><a href="#cite_note-41"><span class="cite-bracket">[</span>41<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Im angloamerikanischen Raum werden als Krisensymptome z. B. die Unfähigkeit von Männern über Gefühle zu sprechen, die erhöhte Suizidrate unter Männern und schlechtere schulische Leistungen von Jungen angenommen. Was aber genau unter dem Begriff verstanden wird, unterscheidet sich allerdings je nach Kontext.<sup id="cite_ref-42" class="reference"><a href="#cite_note-42"><span class="cite-bracket">[</span>42<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-43" class="reference"><a href="#cite_note-43"><span class="cite-bracket">[</span>43<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In der Regel beziehen sich Männlichkeitskrisendiskurse aber auf „weiße, christliche, heterosexuelle Männer der Mittelschicht“ und hängen damit eng mit Konzepten hegemonialer Männlichkeit zusammen.<sup id="cite_ref-44" class="reference"><a href="#cite_note-44"><span class="cite-bracket">[</span>44<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Über die Ursachen und Auswirkungen der vermeintlichen Krise sowie ihr tatsächliches Ausmaß bestehen weiter Unklarheiten und Kontroversen.<sup id="cite_ref-45" class="reference"><a href="#cite_note-45"><span class="cite-bracket">[</span>45<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ein weiterer Aspekt sind die sich verändernden sozioökonomischen Bedingungen: Die durch den <a href="Neoliberalismus" title="Neoliberalismus">Neoliberalismus</a> bedingte „steigende Erosion des männlichen Normalarbeitsmodells“ mit <a href="Prekarisierung" class="mw-redirect" title="Prekarisierung">Prekarisierung</a> und Wohlstandverlusten kombiniert mit dem nach wie vor existierenden Stereotyp des männlichen Familienernährers erzeugten eine zunehmende Verunsicherung und „Ohnmachtsgefühle“, die es antifeministischen Akteuren erlaubten, diese als „Krise der Männlichkeit“ umzudeuten.<sup id="cite_ref-46" class="reference"><a href="#cite_note-46"><span class="cite-bracket">[</span>46<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="M%C3%A4nnerforschung" class="mw-redirect" title="Männerforschung">Männerforschung</a></li>
<li><a href="Neuer_Mann" title="Neuer Mann">Neuer Mann</a></li>
<li><a href="Kritische_M%C3%A4nnlichkeit" title="Kritische Männlichkeit">Kritische Männlichkeit</a></li>
<li><a href="M%C3%A4nnerbewegung" title="Männerbewegung">Männerbewegung</a></li>
<li><a href="Misandrie" title="Misandrie">Misandrie</a></li>
<li><a href="Geschlechterforschung" class="mw-redirect" title="Geschlechterforschung">Geschlechterforschung</a></li>
<li><a href="Macho" title="Macho">Macho</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Handbücher"><span id="Handb.C3.BCcher"></span>Handbücher</h3></div>
<ul><li>Stefan Horlacher, Bettina Jansen, Wieland Schwanebeck (Hg.): <i>Männlichkeit. Ein interdisziplinäres Handbuch.</i> Stuttgart 2016.</li>
<li><a href="Sylka_Scholz" title="Sylka Scholz">Sylka Scholz</a>: <i>Männlichkeitsforschung: die Hegemonie des Konzeptes „hegemoniale Männlichkeit“</i>, in: Beate Kortendiek, Birgit Riegraf, Katja Sabisch (Hg.): <i>Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung,</i> Wiesbaden 2019, S. 419–428.</li>
<li>Mechthilde Vahsen: <i>Männlich/Männlichkeit/Männlichkeitsforschung.</i> In: Renate Kroll (Hrsg.): <i>Metzler Lexikon Gender Studies – Geschlechterforschung.</i> Metzler, Stuttgart/Weimar 2002, ISBN 3-476-01817-2, S. 252 f.</li>
<li>Beate Kortendiek, <a href="Birgitt_Riegraf" title="Birgitt Riegraf">Birgit Riegraf</a>, Katja Sabisch (Hg.): <i>Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung,</i> Wiesbaden 2019.</li>
<li>Lucas Gottzén, Ulf Mellström, Tamara Shefer (Hg.): <i>Routledge International Handbook of Masculinity Studies.</i> London 2019<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.routledge.com/Routledge-International-Handbook-of-Masculinity-Studies/Gottzen-Mellstrom-Shefer/p/book/9781138056695">.</a></li>
<li>Christopher Fletcher, Sean Brady, Rachel E. Moss, Lucy Riall (Hg.): The Palgrave Handbook of Masculinity and Political Culture in Europe. 2018<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.palgrave.com/gp/book/9781137585370#aboutAuthors">.</a></li>
<li><a href="Michael_Kimmel_(Soziologe)" title="Michael Kimmel (Soziologe)">Michael S. Kimmel</a>, Jeff Hearn, Robert W. Connell (Hg.): Handbook of Studies on Men and Masculinities. London 2004<a rel="nofollow" class="external text" href="https://us.sagepub.com/en-us/nam/handbook-of-studies-on-men-and-masculinities/book226753">.</a></li>
<li>Y. Joel Wong, Stephen R. Wester (Hg.): APA Handbook of Men and Masculinities. Washington DC 2016<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.apa.org/pubs/books/4311518">.</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Fachzeitschriften">Fachzeitschriften</h3></div>
<ul><li><i>Psychology of Men &amp; Masculinities</i>, Quartalsweise erscheinende Fachzeitschrift der <a href="American_Psychological_Association" title="American Psychological Association">American Psychological Association</a> seit 2000<a rel="nofollow" class="external text" href="https://psycnet.apa.org/PsycARTICLES/journal/men/22/1">.</a></li>
<li><i>Men and Masculinities,</i> Quartalsweise erscheinende interdisziplinäre Fachzeitschrift seit 1998<a rel="nofollow" class="external text" href="https://journals.sagepub.com/loi/jmma">.</a></li>
<li><i>Masculinities</i> A <i>Journal</i> of Identity and Culture. Halbjährlich erscheinende Fachzeitschrift der <i>Initiative for Critical Studies of Masculinities (ICSM)</i> seit 2014<a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.masculinitiesjournal.org/en-us/kategori/issues/95/95">.</a></li>
<li>NORMA: International <i>Journal</i> for <i>Masculinity</i> Studies. Quartalsweise erscheinende Fachzeitschrift, die aus dem <i>Nordic Journal for Masculinity Studies hervorging, das ab</i> 2006 erschien<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.tandfonline.com/loi/rnor20">.</a></li>
<li><i>Journal</i> of Bodies, Sexualities, and <i>Masculinities.</i> Interdisziplinäre Fachzeitschrift seit 2020<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.berghahnjournals.com/view/journals/jbsm/1/1/jbsm.1.issue-1.xml">.</a></li>
<li><i>Masculinities &amp; Social Change</i> MSC bzw. <i>Masculinidades y cambio social</i>. Viermonatlich erscheinende interdisziplinäre Open-Access-Fachzeitschrift über Männlichkeit in Spanien und Lateinamerika seit 2012<a rel="nofollow" class="external text" href="https://hipatiapress.com/hpjournals/index.php/mcs/issue/archive?issuesPage=1#issues">.</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Grundlagenliteratur">Grundlagenliteratur</h3></div>
<ul><li><a href="Lothar_B%C3%B6hnisch" title="Lothar Böhnisch">Lothar Böhnisch</a>: <i>Männliche Sozialisation. Eine Einführung.</i> Juventa, Weinheim 2004, ISBN 3-7799-1372-0.</li>
<li><a href="Ute_Frevert" title="Ute Frevert">Ute Frevert</a>: <i>„Mann und Weib, und Weib und Mann“. Geschlechter-Differenzen in der Moderne.</i> München 1995, ISBN 3-406-39200-8.</li>
<li><a href="Ernst_Hanisch_(Historiker)" title="Ernst Hanisch (Historiker)">Ernst Hanisch</a>: <i>Männlichkeiten. Eine andere Geschichte des 20. Jahrhunderts.</i> Böhlau, Wien 2005, ISBN 3-205-77314-4.</li>
<li><a href="Michael_Meuser" title="Michael Meuser">Michael Meuser</a>: <i>Geschlecht und Männlichkeit. Soziologische Theorie und kulturelle Deutungsmuster.</i> Leske + Budrich, Opladen 1998. ISBN 3-8100-2000-1.</li>
<li>Ralph J. Poole: <i>Gefährliche Maskulinitäten. Männlichkeit und Subversion am Rande der Kulturen.</i> transcript, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8376-1767-2.</li>
<li><a href="Horst-Eberhard_Richter" title="Horst-Eberhard Richter">Horst-Eberhard Richter</a>: <i>Die Krise der Männlichkeit in der unerwachsenen Gesellschaft.</i> Neuauflage. Psychosozial-Verlag, 2006, ISBN 3-89806-570-7.</li>
<li><a href="Wolfgang_Schmale" title="Wolfgang Schmale">Wolfgang Schmale</a>: <i>Geschichte der Männlichkeit in Europa (1450–2000).</i> Böhlau, Wien 2003, ISBN 3-205-77142-7.</li>
<li>Riccardo Schöfberger: <i>Männlichkeiten seit 1968. Texte aus Italien und dem deutschsprachigen Raum im Vergleich.</i> transcript, Bielefeld 2025, ISBN 978-3-8376-7244-2.</li>
<li><a href="Klaus_Theweleit" title="Klaus Theweleit">Klaus Theweleit</a>: <i>Männerphantasien.</i> Matthes &amp; Seitz, Berlin 2019, ISBN 978-3-95757-759-7 (zuerst 1977/1978, Roter Stern, Frankfurt am Main).</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Masculinity?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Männlichkeit</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/M%C3%A4nnlichkeit" class="extiw external" title="wikt:Männlichkeit">Wiktionary: Männlichkeit</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size skin-invert-image" typeof="mw:File"><span title="Wikiquote"></span></span></div><b><a href="https://de.wikiquote.org/wiki/M%C3%A4nnlichkeit" class="extiw external" title="q:Männlichkeit">Wikiquote: Männlichkeit</a></b>&nbsp;– Zitate </div>
<ul><li><span class="cite"><a href="Mark_Juergensmeyer" title="Mark Juergensmeyer">Mark Juergensmeyer</a>: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.fu-berlin.de/sites/gpo/soz_eth/Frauen-_M__nnerforschung/Die_Welt_der_Cowboy-M__nche__Terror_und_M__nnlichkeit_/juergensmeyer_d.pdf?1361540931"><i>Die Welt der Cowboy-Mönche. Terror und Männlichkeit.</i></a> (PDF; 91&nbsp;kB) In: <i>Frankfurter Rundschau.</i> 20.&nbsp;April 2004,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 5.&nbsp;Oktober 2013</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AM%C3%A4nnlichkeit&amp;rft.title=Die+Welt+der+Cowboy-M%C3%B6nche.+Terror+und+M%C3%A4nnlichkeit&amp;rft.description=Die+Welt+der+Cowboy-M%C3%B6nche.+Terror+und+M%C3%A4nnlichkeit&amp;rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.fu-berlin.de%2Fsites%2Fgpo%2Fsoz_eth%2FFrauen-_M__nnerforschung%2FDie_Welt_der_Cowboy-M__nche__Terror_und_M__nnlichkeit_%2Fjuergensmeyer_d.pdf%3F1361540931&amp;rft.creator=%5B%5BMark+Juergensmeyer%5D%5D&amp;rft.date=2004-04-20">&nbsp;</span></li>
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<li>Themenausgabe: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://zeithistorische-forschungen.de/3-2021"><i>Männlichkeiten</i></a>. In: <a href="Zeithistorische_Forschungen" title="Zeithistorische Forschungen">Zeithistorische Forschungen</a> 18 (2021), Heft 3, hg. von <a href="Cornelia_Brink" title="Cornelia Brink">Cornelia Brink</a>, Olmo Gölz und Nina Verheyen.</li>
<li>Alexander Rechsteiner: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://blog.nationalmuseum.ch/2020/11/der-mann-im-kugelhagel/"><i>Der Mann im Trommelfeuer</i></a> Im Blog des <a href="Schweizerisches_Nationalmuseum" title="Schweizerisches Nationalmuseum">Schweizerischen Nationalmuseums</a> vom 3. November 2020</li>
<li>Alexander Rechsteiner: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://blog.nationalmuseum.ch/2020/10/der-erschoepfte-mann/"><i>Der erschöpfte Mann</i></a> Im Blog des <a href="Schweizerisches_Nationalmuseum" title="Schweizerisches Nationalmuseum">Schweizerischen Nationalmuseums</a> vom 16. Oktober 2020</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
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<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Heike Brabandt: <cite style="font-style:italic">Genderforschung in den Internationalen Beziehungen</cite>. In: <cite style="font-style:italic">Handbuch Internationale Beziehungen</cite>. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-531-19954-2, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>1–23</span>, <a href="Digital_Object_Identifier" title="Digital Object Identifier">doi</a>:<span class="uri-handle" style="white-space:nowrap"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://doi.org/10.1007/978-3-531-19954-2_20-1">10.1007/978-3-531-19954-2_20-1</a></span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://link.springer.com/10.1007/978-3-531-19954-2_20-1">springer.com</a> [abgerufen am 26.&nbsp;Januar 2021]).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:M%C3%A4nnlichkeit&amp;rft.atitle=Genderforschung+in+den+Internationalen+Beziehungen&amp;rft.au=Heike+Brabandt&amp;rft.btitle=Handbuch+Internationale+Beziehungen&amp;rft.date=2014&amp;rft.doi=10.1007%2F978-3-531-19954-2_20-1&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=9783531199542&amp;rft.pages=1-23&amp;rft.place=Wiesbaden&amp;rft.pub=VS+Verlag+f%C3%BCr+Sozialwissenschaften" style="display:none">&nbsp;</span></span>
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